Nachfrageüberhang und Angebotsüberhang einfach erklärt

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Der wirtschaftliche Markt reguliert sich selbst durch ein feines Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Im Normalfall steigt das Angebot proportional mit dem dazugehörigen Preis. Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage bei einem geringen Preisniveau höher und sinkt mit zunehmenden Kosten des Produkts beziehungsweise der Dienstleistung immer mehr ab.

Veranschaulicht man die Daten von Angebot und Nachfrage in einem Graphen so ergeben sich zwei diagonale Geraden, die sich in einem Punkt schneiden. Zu diesem Preis gibt es eben so viel Angebot wie auch Nachfrage. Hierbei spricht man vom Gleichgewichtspreis oder auch einem ausgeglichenen Markt. Nun funktioniert der Markt in der Realität aber nicht immer nach diesen theoretischen Überlegungen und nicht selten kommt es zu sogenannten wirtschaftlichen Anomalien des klassischen Marktmodells. Zu den beiden häufigsten unter diesen gehören der Angebotsüberhang sowie der Nachfrageüberhang. Worum es sich bei Angebotsüberhang und Nachfrageüberhang handelt wird im Folgenden ausführlich erklärt.

Angebotsüberhang Definition

Ein Angebotsüberhang kann einfach erklärt werden. Er entsteht dadurch, dass auf dem Markt mehr Angebot verfügbar ist als Nachfrage besteht. Der Preis auf dem Markt befindet sich dabei über dem Gleichgewichtspreis. Man spricht in einem solchen Fall auch von einer so genannten Nachfragelücke, welche häufig durch Überproduktion verursacht wird. Im Zusammenhang mit einem Angebotsüberhang kommt es häufig zu einer deflatorischen Wirkung. Darunter versteht man einen Abfall des generellen Preisniveaus, hervorgerufen durch die aufgeschobene Kaufhandlung der Gesellschaft. Diese spekuliert darauf, dass der Preis noch weiter absinken wird.

In den meisten Fällen ist die Marktwirtschaft allerdings in der Lage, sich von selbst von einem Angebotsüberhang zu erholen. Die Hersteller und Verkäufer merken, dass sie ihre Waren nicht zu dem momentan überhöhten Preis verkaufen können und ihn dementsprechend senken, bis er sich auf das Niveau des Gleichgewichtspreises eingependelt hat. Häufig geht ein Angebotsüberhang ebenfalls einher mit einem großen Konkurrenzdruck im Bereich der Verkäufer. Dies kommt vor allem bei freien Marktwirtschaften vor und ist im generellen ein positives und gesundes Zeichen einer funktionierenden Wirtschaft.

Durch die hohe Anzahl der angebotenen Güter entscheiden sich in solchen Fällen in Normalfall für die preiswerteste Alternative, sodass das Preisniveau ebenfalls wieder sinkt. Dieser Effekt wiederum sorgt für den Anstieg der Nachfrage. Der Angebotsüberhang wird ausgeglichen.

In der Situation von einem Angebotsüberhang spricht man auch von einem sogenannten Käufermarkt. Darunter versteht man, dass die Wirtschaft hauptsächlich durch die Aktionen der Käufer gelenkt wird. Die Unternehmen reagieren dabei als Verkäufer lediglich im Rahmen von Preissenkungen auf die Entscheidungen der Kunden.

Nachfrageüberhang Definition

Von einem Nachfrageüberhang spricht man, wenn auf dem Markt die Nachfrage das vorhandene Angebot übersteigt. Dies geschieht häufig im Rahmen von geringer unternehmerischer Tätigkeit in einem bestimmten Gebiet, zum Beispiel durch Monopolisierungen oder auch der Unterbeschäftigung in großen Firmen. Die Kunden sind in solchen Fällen stark vom Unternehmen abhängig und konkurrieren dabei um das verfügbare Angebot. Viele Firmen und Unternehmen nutzen diese Situation, um zu expandieren und ihre Kapazitäten zu erweitern. Da auf Seiten der Verkäufer in vielen Fällen die Konkurrenz ausgeschalten ist, können sie, zumindest vorerst, mit einem gleichbleibenden Absatzmarkt rechnen. Aus diesem Grund sind die Verkäufer ebenfalls in der Lage, ihre wirtschaftlichen Güter, wie Produkte oder Dienstleistungen, auch für mehr Geld zu verkaufen. Es kommt zu Preissteigerungen und, falls diese nicht durch die Mechanismen des freien Marktes ausgeglichen werden, kann ein zu langanhaltender Nachfrageüberhang stark inflatorische Züge nehmen.

Glücklicherweise kann die Marktwirtschaft innerhalb kürzester Zeit auf den Nachfrageüberhang reagieren und ihr entgegenwirken. Der Preis der Güter kann nicht grenzenlos steigen, ohne dass sich das auf die Nachfragekurve auswirkt. Je mehr die Höhe des Preises zunimmt, desto weniger Nachfrage wird es geben. Dieser Prozess setzt sich so lange fort, bis der Gleichgewichtspreis wieder erreicht wurde.

Um zu verhindern, dass sich die Inflation zu stark entwickelt und, insbesondere im Falle von Monopolen in der Wirtschaft, einen gewissen Käuferschutz zu gewährleisten, greift der Staat in vielen Fällen bei langen Perioden des Nachfrageüberhangs ein. Er erlässt dabei Richtlinien, die ein maximales Preisniveau für das jeweilige Produkt beziehungsweise die angebotene Dienstleistung festlegen. Ein Beispiel hierfür stellt der deutsche Wohnungsmarkt dar, bei dem schon seit vielen Jahren ein hoher Nachfrageüberhang herrscht.

Im Gegensatz zu dem Angebotsüberhang spricht man bei einem langanhaltenden Nachfrageüberhang von einem Verkäufermarkt. Dabei liegt die übermäßige Kontrolle des Marktgeschehens in den Händen der Verkäufer, wie zum Beispiel der produzierenden Unternehmen. Sie können die Höhe des vorhandenen Angebotes regulieren und befinden sich somit in einer machtvolleren Position, als dies beim Käufer der Fall ist.

Angebots- und Nachfrageüberhang berechnen

Mit Hilfe des klassischen Marktmodells ist es möglich, die Höhe von Angebots- und Nachfrageüberhang zu berechnen. Dabei vergleicht man schlicht und ergreifend die vorhandene Preisänderung mit dem ursprünglichen Gleichgewichtspreis und berechnet die Differenz der beiden Werte.

 
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