Der Einzelhandel – Von aussterben bedroht?

Der Einzelhandel gehört mit Jahresumsätzen um die 500 Milliarden Euro zu den größten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Ihm kommt außerdem eine große volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Der Anteil des Einzelhandelsumsatzes an den Konsumausgaben der Privathaushalte in Deutschland lag im Jahr 2018 bei mehr als 30%. Im Folgenden finden Sie alles, was Sie unbedingt über Einzelhandel wissen sollten.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was versteht man unter Einzelhandel?
  2. Arbeit im Einzelhandel – Ausbildung, Gehalt und Konditionen
  3. Stirbt der klassische Einzelhandel aus?
  4. Fazit

1. Was versteht man unter Einzelhandel? Definition und Bedeutung

Im Einzelhandel werden Waren und Dienstleistungen von Unternehmen (überwiegend) direkt an die Endverbraucher, also an nicht-gewerbliche Kunden verkauft. Das wird auch als „Business-to-Consumer“ oder B2C bezeichnet und bezieht sich auf Einzelhandel im funktionellen Sinne. Im institutionellen Sinne bezeichnet der Begriff all diejenigen Unternehmen, die Einzelhandelsfunktionen wahrnehmen. Die Unternehmen stellen die Waren dabei nicht selbst her, sondern beschaffen sie bei anderen Unternehmen und bieten sie den Letztverwendern schließlich zum Kauf an. Bekannte Branchen im Einzelhandel sind beispielsweise Bekleidung, Lebensmittel und Kosmetik, wobei das Spektrum von winzigen Geschäften bis hin zu riesigen Shoppingcentern reicht. Obwohl der Begriff Einzelhandel häufig synonym zum stationären Ladenverkauf verwendet wird, gehören streng genommen auch Online-Händler wie Amazon in diese Kategorie. Darüber hinaus bieten Einzelhändler nicht nur Waren, sondern auch Dienstleistungen an. Beispiele dafür sind Hotels oder Restaurants.
Vom Einzelhandel abzugrenzen ist der Großhandel, welcher an gewerbliche Kunden verkauft. Dies wird als „Business-to-Business“ (B2B) bezeichnet.

Der Einzelhandel ist ein beliebter Vertriebsweg für viele Hersteller. Bei den Vertriebsformen geht es darum, auf welchem Weg die Ware angeboten wird, ob sie also beispielsweise an einem festen Standort verkauft oder auf Bestellung zugestellt wird. Häufig wird zwischen direktem und indirektem B2B/B2C-Vertrieb unterschieden. Beim Direktvertrieb werden Waren vom Hersteller oder über einen Handelsvertreter persönlich an die Kunden verkauft, ohne den Umweg über einen Zwischenhändler. Eine Spezialform des Direktvertriebes ist der sogenannte Strukturvertrieb, bei dem häufig Privatpersonen als Verkäufer eingeschaltet werden, die die Produkte im Freundes- oder Bekanntenkreis absetzen. Im Gegensatz zu den direkten Vertriebswegen stehen die indirekten Vertriebswege, zu denen auch der Einzelhandel zählt. Bei der indirekten Vertriebsform werden zwischen dem Hersteller und dem Endkunden Mittler wie zum Beispiel Groß- und Einzelhändler eingeschaltet. Im Bereich Einzelhandel sind Beispiele dafür Supermärkte, Drogerien und Kaufhäuser, die in der Regel vom Großhandel beliefert werden. Der Großhändler wiederum bezieht die Waren vom Hersteller.

2. Arbeit im Einzelhandel – Ausbildung, Gehalt und Konditionen

Im Einzelhandel sind nicht nur Verkäufer, sondern auch Einzelhandelskaufleute wichtig. Der Beruf Einzelhandelskauffrau/-mann steht regelmäßig auf Platz 1 der beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland. Als Einzelhandelskaufmann ist man vorwiegend für den Warenverkauf und die Kundenberatung zuständig. Dafür ist es erforderlich, stets gut informiert zu sein und über aktuelle Angebote Bescheid zu wissen. Für den Einzelhandel sind die Käufer besonders wichtig und da Einzelhandelskaufleute im ständigen Kontakt mit Kunden stehen, sind kommunikative Fähigkeiten und ein guter Umgang mit Menschen wesentliche Voraussetzungen für diesen Beruf. Darüber hinaus übernehmen Kaufleute im Einzelhandel auch Tätigkeiten wie Einkauf und Warenbeschaffung, Sortimentsgestaltung sowie Lagerhaltung und Versand. Obwohl der größte Teil der Arbeit in Verkaufs- und Lagerräumen stattfindet, ist auch Büroarbeit ein fester Bestandteil des Berufes. Die Ausbildung ist eine duale Ausbildung und dauert 3 Jahre, wobei die Möglichkeit besteht, die Ausbildungsdauer bei besonders guten Leistungen zu verkürzen. Neben der Arbeit im Betrieb wird man zusätzlich in einer Berufsschule ausgebildet. Die zentralen Inhalte sind Wirtschaft und Verwaltung.

Im Einzelhandel ist das Gehalt von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren abhängig. Dazu zählen zum Beispiel Branche, Alter und Berufserfahrung. Auszubildende werden mit bis zu knapp 1.000EUR vergütet, wobei das Gehalt pro Ausbildungsjahr kontinuierlich ansteigt. Als gelernter Kaufmann- oder Kauffrau im Einzelhandel verdient man in der Regel zwischen 1.500 und 2.200EUR brutto. Nach der abgeschlossenen Ausbildung sind Fort- und Weiterbildungen sinnvoll, um auf der Karriereleiter aufzusteigen. Einer der gefragtesten Weiterbildungsabschlüsse für Einzelhandelskaufleute ist der Handelsfachwirt.
Die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel können innerhalb der Branche stark variieren. Im Nahrungs- und Genussmittelverkauf sind die Beschäftigten oft höheren Belastungen ausgesetzt als im restlichen Einzelhandel. Darüber hinaus findet seit einigen Jahren ein Wandel der Beschäftigungsverhältnisse statt. Vollzeitstellen sind rückläufig und die Anzahl an Teilzeitstellen und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen nimmt kontinuierlich zu.

3. Stirbt der klassische Einzelhandel aus?

In Deutschland durchläuft kaum eine andere Branche im Wirtschaftsbereich einen so starken Wandel wie der Einzelhandel. Teilweise ist zu hören „Der Einzelhandel stirbt aus“ und im selben Atemzug fallen häufig die Begriffe der Digitalisierung und des Onlinehandels. Wenn vom Aussterben die Rede ist, bezieht sich das allerdings nicht auf die Branche im Gesamten, sondern spezifisch auf den stationären Handel mit Ladengeschäften. Wie eingangs erwähnt, zählen auch Online-Händler, die an Endkunden verkaufen, als Einzelhändler, werden aber häufig vom stationären Einzelhandel abgegrenzt. Immerhin gelten sie als stärkste Konkurrenz für Ladengeschäfte.

Die Digitalisierung hat den Wettbewerb mit der Entstehung großer Online-Plattformen wie Amazon oder Zalando völlig verändert. Dieser Wandel macht sich nicht nur für kleinere Geschäfte, sondern mittlerweile auch für große Betriebe bemerkbar. Der Bereich der Neukundengewinnung ist aus diesem Grund besonders wichtig geworden. Heute ist vor allem Kreativität gefragt, da die Kunden durch die neue Welt des Online-Shoppings unzählige Alternativen zum Geschäft vor Ort haben. Es wird daher immer wichtiger, sich klar von der Masse abzusetzen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Neben der rasanten digitalen Entwicklung stellt allerdings auch die demographische Entwicklung in Deutschland eine Herausforderung für Einzelhändler dar. Die Bevölkerungszahlen gehen zurück, die Anzahl an potenziellen Kunden schrumpft und der Anteil an älteren Menschen und Migranten steigt an.

4. Fazit

Der Einzelhandel hat nach wie vor Bedeutung für unsere Gesellschaft und zählt zu den größten und wichtigsten Wirtschaftssektoren in Deutschland. Trotzdem macht sich seit einigen Jahren ein Wandel bemerkbar, gerade im stationären Handel. Die veränderten Wettbewerbsbedingungen erfordern neue Blickwinkel und Strategien, um auch in der Zukunft erfolgreich zu bleiben.

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